5. Juni 2026
Zielgruppen eines Gesundheitsberaters

Zielgruppen eines Gesundheitsberaters
Die Sehnsucht nach einem gesunden, balancierten Leben ist in unserer heutigen Gesellschaft so groß wie nie zuvor. Angesichts von chronischem Stress, Bewegungsmangel und einer Flut an oft widersprüchlichen Ernährungstrends suchen immer mehr Menschen nach verlässlicher Orientierung wie Vergleiche der Präventionsberichte der GKV (der Spitzenverband Bund der Krankenkassen) zeigen (Präventionsbericht 2025). Genau hier schlägt die Gesundheitsberatung eine Brücke: Sie begleitet Menschen partnerschaftlich dabei, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse der Prävention ganzheitlich in ihren persönlichen Alltag zu integrieren.
Wer diesen Berufsweg einschlägt, stellt schnell fest, dass das Feld der potenziellen Klienten enorm vielschichtig ist. Gesundheit ist kein statisches Ziel, sondern ein lebenslanger, dynamischer Prozess. Entsprechend individuell sind die Bedürfnisse, Lebenslagen und Motivationen der Menschen, die Unterstützung suchen. Für eine erfolgreiche Beratungspraxis ist es daher entscheidend, die verschiedenen Zielgruppen und deren spezifische Lebensrealitäten genau zu verstehen.
Inhalte im Überblick
Wer nutzt Gesundheitsberatung im Alltag?
Die Klientel in der Gesundheitsberatung ist so vielfältig wie die Gesellschaft selbst. Grundsätzlich lässt sich beobachten, dass Menschen in Phasen des Umbruchs oder bei spürbarem Leidensdruck professionelle Unterstützung suchen. Die folgenden Gruppen prägen maßgeblich die Praxis:
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Einzelpersonen mit Vorerkrankungen: Sie suchen Orientierung, um von Beginn an gesunde Ernährungs- und Lebensroutinen für den Nachwuchs im Alltag zu verankern.
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Berufstätige in Belastungssituationen: Sie stehen vor der Herausforderung, den Spagat zwischen Karriere, familiären Verpflichtungen und der eigenen mentalen sowie körperlichen Fürsorge zu meistern.
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Chronisch Gestresste: Menschen mit ersten Anzeichen von Erschöpfung suchen gezielte regenerative Maßnahmen, um einem drohenden Burnout präventiv entgegenzuwirken.
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Gesundheitsbewusste Individualisten: Sie verfolgen proaktiv einen präventiven Lebensstil und nutzen Beratung zur Optimierung ihres persönlichen Wohlbefindens.
Gemeinsam ist all diesen Menschen der Wunsch nach einer individuellen Betreuung, die über standardisierte Ratschläge hinausgeht und Raum für die persönlichen Lebensumstände lässt.

Welche Beschwerden treten in der Praxis häufig auf?
In der täglichen Beratungspraxis stehen meist funktionelle oder lebensstilbedingte Beschwerden im Vordergrund. Ganz oben auf der Liste stehen (chronische) Müdigkeit, Erschöpfungszustände und Schlafstörungen, die häufig auf eine anhaltende Überlastung im Alltag zurückzuführen sind. Auch unspezifische Verdauungsprobleme, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder der Wunsch nach einer nachhaltigen Gewichtsregulation führen viele Menschen zu einer Fachberatung.
- Fallbeispiel Stress
Ein 43-jähriger Mann sucht Sie zur Beratung auf. Er hat viel Stress bei der Arbeit, und seine Jobsituation ist ungewiss. Sein Vater ist schwer krank, und seine Frau im 6. Monat schwanger. Aufgrund einer Magenschleimhautentzündung bekam er von seinem Arzt
über eine Woche Antibiotika verschrieben und sollte den Verzehr von Milchprodukten und zu fettigem Essen einschränken.
Ein weiterer großer Bereich sind Beschwerden des Bewegungsapparates, wie Verspannungen oder Rückenschmerzen, die durch langes Sitzen und mangelnden Ausgleich entstehen. Viele Klienten kommen zudem mit dem Ziel, Gewicht zu reduzieren bestehenden Risikofaktoren wie leicht erhöhtem Blutdruck oder veränderten Blutzuckerwerten rechtzeitig durch eine gezielte Lebensstilmodifikation entgegenzuwirken.
- Fallbeispiel Prävention Rückenbeschwerden
Ein Mann, 52 Jahre, kommt zur Beratung, weil er seit einigen Monaten immer wieder unter Verspannungen im unteren Rücken leidet. Die Beschwerden treten vor allem nach langen Arbeitstagen auf. Er arbeitet als kaufmännischer Angestellter und verbringt einen Großteil des Tages sitzend am Computer. In seiner Freizeit bewegt er sich eher wenig. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Da sein Vater unter chronischen Rückenproblemen litt, möchte er sich frühzeitig darüber informieren, wie er Rückenbeschwerden vorbeugen und seine Rückengesundheit langfristig erhalten kann.
Manchmal kommen auch Klienten, die aufgrund einer Erkrankung ihren Lebensstil umstellen müssen und dabei von einem Gesundheitsberater unterstützt werden möchten.
- Fallbeispiele Osteoporose-Prävention
Eine Frau, 68 Jahre, kommt zur Beratung, weil bei einer Untersuchung festgestellt wurde, dass ihre Knochendichte nachgelassen hat. Sie hat noch keine Probleme, möchte sich aber rund um das Thema „Osteoporose“ informieren. Sie ist verheiratet und hat drei Enkel im Alter von 3, 8 und 15 Jahren.
Welche Zielgruppen wachsen in der heutigen Zeit besonders stark?
Entgegen der klassischen Annahme, dass primär völlig gesunde Menschen zur Optimierung eine Beratung aufsuchen, zeigt sich in der Praxis ein anderes Bild: Der größte Wachstumsmarkt besteht aus Menschen, die bereits erkrankt sind oder erste deutliche Symptome spüren und nun aktiv ihren Lebensstil verändern wollen. Sie suchen nach einer ganzheitlichen Sicht auf vermeintlich einfache Diagnosen und möchten lernen, wie sie über Ernährung, Bewegung und Stressregulation ihre Genesung und ihr tägliches Wohlbefinden selbst positiv unterstützen können. Von Gesunden und Jüngeren werden Präventions- und Gesundheitsangebote seltener genutzt, so der 2025 DKV Report – Wie geseund lebt Deutschland.
Gleichzeitig gewinnt das gesunde Älterwerden im Sinne der Longevity massiv an Bedeutung. Die Gruppe der älteren Generationen wächst rasant und fordert Angebote ein, die weit über die bloße Abwesenheit von Krankheit hinausgehen. Diese gesundheitsbewussten Senioren investieren ganz bewusst Zeit und Ressourcen, um ihre funktionelle Gesundheit, geistige Klarheit und Lebensqualität bis ins hohe Alter aktiv zu erhalten.
Welche Zielgruppen zahlen die Beratung selbst?
Bei der Frage der Finanzierung zeigt sich eine Besonderheit des Marktes: In der Regel zahlen alle Zielgruppen ihre Gesundheitsberatung selbst, da es sich hierbei nicht um eine gesetzlich anerkannte Kassenleistung im klassischen Sinne der Krankenbehandlung handelt. Die Kosten werden daher als persönliche Investition in die eigene Lebensqualität und Prävention verstanden.
Besonders stark vertreten sind unter den Selbstzahlern gut verdienende Berufstätige und Führungskräfte, die schnelle, flexible und diskrete Unterstützung abseits der Regelleistungen suchen. Auch Menschen, die mit chronischen Befindlichkeitsstörungen leben und in der Schulmedizin keine rein organischen Ursachen finden, investieren bereitwillig selbst, um ihr Wohlbefinden durch fundierte Anpassungen im Alltag eigenständig zu verbessern.
Welche Zielgruppen benötigen Prävention besonders dringend?
Prävention ist in jeder Lebensphase sinnvoll, doch für bestimmte Gruppen ist sie von essenzieller Bedeutung. Hierzu gehören junge Familien, da in den ersten Lebensjahren die Weichen für das spätere Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Kinder gestellt werden. Eine frühzeitige Beratung kann helfen, gesundheitsfördernde Routinen spielerisch zu verankern und Zivilisationskrankheiten im späteren Leben vorzubeugen.
Auf der anderen Seite benötigen chronisch gestresste Berufstätige und Menschen in verantwortungsvollen Positionen dringend präventive Begleitung. Ohne rechtzeitige Intervention in Form von Stressmanagement und regenerativen Maßnahmen drohen hier langfristig ernsthafte Erschöpfungssyndrome. Prävention fungiert für sie als Schutzschild, um die eigene Leistungsfähigkeit und Lebensfreude dauerhaft zu sichern.
Die Vielfalt der Zielgruppen zeigt, wie tiefgreifend der Bedarf an fundierter Gesundheitsberatung in unserer Gesellschaft verankert ist. Für Beraterinnen und Berater liegt die Kunst darin, sich auf diese unterschiedlichen Lebenswelten einzustellen und jeden Menschen genau dort abzuholen, wo er im Leben steht. So wird Beratung zu einem wirksamen Kompass für eine gesündere Zukunft.
Wenn es darum geht, die Zielgruppe für die eigene Praxis zu definieren, muss man in Deutschland unbedingt das Heilpraktikergesetz (§ 1 HPG) beachten. Gesundheitsberater:innen dürfen ausschließlich gesunde Menschen zur Prävention beraten. Sobald die Zielgruppe Personen mit manifesten Krankheiten (z. B. klinische Depressionen, chronische Schmerzzustände) umfasst, ist eine Kooperation mit Ärzten oder Therapeuten zwingend erforderlich, da man als Gesundheitsberater:in selbst keine Diagnosen stellen oder Therapien durchführen dürfen.
Wie man als Gesundheitsberater:in am besten seine Zielgruppe bzw. Klienten findet, kannst Du hier nachlesen.
Veröffentlicht am 05. Juni 2026
Die Autorin
Dr. Heidi Braunewell

Dr. Heidi Braunewell ist promovierte Biologin, ausgebildete Heilpraktikerin und Expertin für Phytotherapie und Naturheilkunde. Aus ihrer Beratungspraxis bringt sie ein tiefes Verständnis der praktischen Seite der Gesundheitsberatung mit. Sie ist Dozentin unter anderem in der Ausbildung Gesundheitsberater:in (IHK) und Berater:in Schlafgesundheit.
„Ich bin Dozentin geworden, weil ich mein Wissen nicht nur für mich behalten wollte. Es macht mir einfach Freude, wenn ich andere auf ihrem Weg begleiten kann. Und dabei all das nutzen, was ich in meiner Naturheilpraxis und im Leben gelernt habe.“
Das Wichtigste in Kürze:
- Dr. Heidi Braunewell promovierte über Arzneipflanzen.
- Ihr Herzensthema ist die Naturheilkunde und die ganzheitlichen Gesundheit.
- Sie ist ausgebildete Heilpraktikerin.
- Dr. Heidi Braunewell ist Phytotherapeutin (GPT) und Mitglied des Vorstands der Gesellschaft für Phytotherapie.
- Als Buchautorin ist sie in verschiedenen Fernsehsendungen und Rundfunkinterviews als Expertin gefragt.
- Funfact: Sie ist Weltmeisterin und Weltrekordhalterin im Sport Stacking.
- Dr. Braunewell arbeitet seit 1994 an der Akademie.
- Sie lebt mit ihrer Familie in Butzbach.